Trans-Afrika, in 20 Tagen knapp 6000 km mit dem Moped von Johannisburg bis Sansibar

 

An die Motorrad-Tour durch Südafrika, Simbabwe, Sambia, Malawi und Tansania kam ich durch meinen  amerikanischen Freund Court Fisher.

Während seiner ehrenamtlichen journalistischen Tätigkeit beim Motorcycle Club of Amerika (MOA) hat er über viele global operierende Motorradreiseveranstalter und Verleiher eine Datenbank angelegt, bzw. diese dazu angeregt einen Dachverband „Global Touring“ zu gründen.( http://www.bmwmoa.org/global)

Anfang 2002 hatte er mich  schon für eine Tour in Neuseeland überreden wollen, was mich aber zeitlich und finanziell überforderte. ( 2700,- € für  über 27 Stunden Flug + Moped und Tour)

 

Auf der letzten Intermot im September 2002 lernte ich einige dieser Veranstalter kennen.

Pascale Burbacher aus Heilbronn zum Beispiel, die deutsche Depandance von New Zealand Motorcycle Rentals (http://www.nzbike.com/german) und Eglisio Aturi aus Milan (http://www.mototouring.com/).

Eglisio organisiert seit Mitte der 90iger Jahre Touren durch Afrika und hat sehr professionelle Kooperationspartner wie Rikus Visser in Kapstadt. (http://www.getawayafrica.com/)

 

Die Gruppe bestand aus 28 Italienern, von denen schon etliche mehrere Touren in Afrika mitgemacht hatten. Alle waren Mitglied im BMW Club Italia und  fast alle hatten ihre eigenen Maschinen von Milan eingeflogen.

Wir trafen uns am 11. August in Johannisburg und fuhren am nächsten Tag  ~ 450 km nord-östlich nach Skukuza.

Anderntags ging es mit zwei 10-Sitzer Jeeps und den zwei VW-Bussen für rund 200 km in den südlichen Teil des  Krüger Parks, der die Fläche von Belgien hat.

Es war schon ein Erlebnis für sich die Zebras, Impallas, Wasserbüffel, Flusspferde, Giraffen, Elefanten, Leoparden, Affen und vieles mehr aus nächster Nähe zu sehen.

Die nächsten Tage über Tzaneen (380 km und Überquerung des südlichen Wendekreises) nach Louis Trichardt (320 km) wo wir eine Teeplantage besichtigten.

Die Grenze nach Simbabwe war schon ein Erlebnis mit unendlichem Papierkram:

Carnet de Passage, Eintragungen in dicke Bücher die hinterher kein Mensch mehr liest. Visa 30 USD, Carbon Tax 2 USD, Third Party Insurance 8 USD, jede Menge Stempel auf handgeschriebene Zettel, Geld wechseln von Rand in Sim-Dollars. (Offiziell 868, auf dem Schwarzmarkt ~ 2200 für einen amerik. Dollar.)

Es dauerte ca. zwei Stunden bevor es über gut ausgebaute Strassen durch ein menschenleeres Land nach Bulawayo weiterging. (420 km)

Das letzte Stück Strasse (10 km), oder besser Gelände, war im Dunkeln eine Herausforderung, Unterkunft in Guest Houses mit einfachem afrikanischem Standard.

Die Matapo Hills mit faszinierender Landschaft waren schon bemerkenswert, aber die Weiterfahrt Richtung Viktoria Fälle (~ 480 km) brachte einem das richtige Afrika näher. Die Menschen leben dort echt von nichts, liegen an der Strasse und warten das der Tag vorbei geht. 

 

 

 

Simbabwe ist wirtschaftlich total am Ende. Gute Strassen, aber kein Benzin. ( wir hatten 1200 Liter in Fässern dabei ) Keine ältere Bevölkerung, alle von Aids dahingerafft. Wenn man aber unterwegs mitten im Busch mal Pause machte oder an den alle 250 km vereinbarten Tankstops ankam, dauerte es keine 5 Minuten und wir waren von Kindern umringt die Bauklötze staunten. Sie freuten sich über eine leere Plastikflasche genauso wie über ein Bonbon oder Keks.

Im Hwange Nationalpark sollte sich die Gruppe an einem Wasserloch mit Hotelanlage zum Lunch treffen.

Court und ich fuhren aber noch 8 km weiter bis zu einem Safari-Camp. Auf dem Rückweg gerieten wir in eine Elefantenherde (knapp 100 Tiere) , die keine 20 Meter vor uns die Strasse kreuzte. Sehr beein-druckend kann ich nur sagen, besonders wenn so ein Elefantenbulle sich Gedanken macht ob es nicht besser wäre uns zu verscheuchen .

Abends kamen wir dann zur Safari-Lodge , ebenfalls an einem Wasserloch am Rande eines Naturparkes . Dort war unsere Basis für die nächsten 2 Tage. Es gab genug zu tun: Viktoria Fälle, Ultra-Light Flüge, Rafting, Golf, Shopping oder Pool, je nach Laune oder wonach einem der Sinn stand.

Die Italiener kauften über 2 Meter große geschnitzte Giraffen, Flusspferde aus Tropenholz bis zu 50 kg schwer etc., bis der Anhänger voll war und Eglisio energisch „basta“ rief.

Die Grenze nach Sambia war schon lockerer, gleiches Prozedere in 1 Stunde mit Geld wechseln in Livingstone. (Visa 25 USD, Versicherung 12 USD)

Knapp 500 km durch Landschaften wie im mittleren Westen der USA bis nach Lusaka, die Hauptstadt mit einem Holliday Inn. Dort kam Michele mit einer heftigen Acht im Vorderrad seiner 1000 GS an. Er hatte das einzige Schlagloch auf der Strecke gefunden und acht Speichen  eingebüsst. Glücklicherweise nicht gestürzt aber mit der heftigen Acht ging es am nächsten Tag nur auf dem Anhänger weiter.

Der nächste Tag war mit 600 km besonders lang, da auf den letzten 250 km bis Chipata die Strasse nur aus Schlaglöchern bestand. Hier wurde das Material echt gefordert. Auf der Strecke und abends wurde eifrig Reifen geflickt, Felgen gerichtet und gebrochene Kofferhalter abmontiert.

Die dritte Grenze nach Malawi war ebenfalls kein Problem. (nur die Preise der Versicherung höher, 15 USD).

Schlagartig wechselte die Landschaft, viele Leute waren mit Fahrrädern unterwegs, die sie hoch und schwer beladen durchs Land schoben. Viele Plantagen und Märkte an guten Strassen bis Lilongwe und Senga Bay am Lake Malawi. (knapp 300 km)

Dort wieder einen Tag zum schnorcheln, tauchen und relaxen. Der See ist gut 600 km lang und 50 km breit.

Es sollte ein Vorderrad für Michele von Johannisburg nach Lilongwe eingeflogen werden, aber der Zoll gab das Rad erst frei als die Maschine schon eine Stunde weg war. Also wurde das Rad mit Draht soweit getrimmt so das er damit noch gut 100 km/h fahren konnte. Der Schlag war immer noch heftig, aber Hauptsache wieder mit eigenem Krad unterwegs.

Nach einem Tag Pause wieder weiter entlang des Lake Malawi mit wunderschöner Landschaft und Gebirgsrücken und optimalen Kurven für schnelles Fahren. Zwischendurch noch eine Töpferei Cooperative angesehen, wo die ital. Frauen wieder kistenweise Porzellan einkauften. Abends kamen wir vor Mzuzu in den Bergen an, wo es gerade geregnet hatte und noch alles dampfte. Vereinzelte Schlaglöcher hatten es in sich, da der Sand durch das Wasser weich und tief geworden war. (420 km)

Tags darauf die letzte Grenze nach Tansania . (Versicherung diesmal 25, Visa 20 USD.)

Den ganzen Tag sehr gute kurvige Strassen mit atemberaubender Aussicht auf einem Pass mit 2300 m Höhe.

Zwischendurch viele Bananen-, Tee- und Gummibaumplantagen bis Mbeya. (400 km)

Dann ging es auf einer höllischen steinigen Dirt-Road 8 km bis zu einer Kaffe-Plantage mit Lodge  auf 1480 m Höhe gelegen.

Der nächste Tag war wieder zum relaxen, reparieren und Besichtigung der Plantage.

Tags darauf  wieder 600 km durch kurviges hügeliges Land bis zum Mikumi National Park, wo wir mitten im Park auf gehobenem Niveau in offenen Holzhütten in darin eingebauten Armeezelten übernachteten.

 

Dann noch einmal ~ 300 km bis Dar Es Salaam, eine quirlige afrikanische Großstadt,  wo am gleichen Abend die ital. Mopeds per Container wieder nach Milan verschifft wurden.

Die 5 Leihmopeds kamen auf die zwei Anhänger und wurden von Steve und Rikus in 5 Tagen über gut 6000 km wieder nach Kapstadt zurück gebracht.

Dann war noch mal für 3 Tage relaxen im besten Hotel in Stonetown auf Sansibar angesagt, bevor es am 31. August über Dar Es Salaam, Nairobi, Dubai und Frankfurt wieder nach Hause ging.

Alles in allem hat mich die Sache rund 7600 € gekostet, (Flug, Moped , Tour und Spesen) so gesehen eine Stange Geld .

Auf der anderen Seite hätte ich als Individualreisender nie so viel von dem Land gesehen.

Wir hatten immer die besten Unterkünfte die es in der Gegend gab, sehr gutes Essen, viele Insiderinfor-mationen und viel Spaß als Gruppe. Obwohl die Tagesetappen immer in kleinen Gruppen gefahren wurden, sah uns die Bevölkerung als eine große Motorradgruppe und so fühlten wir uns auch.

Nächstes Jahr plant Eglisio eine Trans-Südamerika Tour.

Das würde mich auch noch reizen, auf jedem Fall  fange ich schon mal an zu sparen.

 

Der südliche Wendekreis                                            "Gummikühe" und Elefanten

                   

Tanken in Simbabwe                                                    Die Viktoriafalls

                                   

Markt in Afrika

   

Pause

              

Der Malawi See                                                            Stonetown auf Sanaibar

              

Baustelle                                                                            Anhängerverladung

              

Die Lodges mit den Bikes                                                   Ein Dorf am See